Custombike 2008
Biker-Build-Off Championship


Besucher-Attraktion und Highlight fürs Fernsehen: Auf einer Bühne entstanden unter den Augen der Zuschauer in Bad Salzuflen zwei außergewöhnliche Custombikes. Der TV-Sender DMAX war ganz nah dabei.

Die Kontrahenten beim Live-Build Off auf der CUSTOMBIKE 2008 in Bad Salzuflen waren Penz Performance aus Österreich und Thunderbike aus Deutschland. Beide Firmen sind bekannte Größen in der Szene. Penz ist schon seit einem Jahrzent erfolgreich im Geschäft, Thunderbike fiel in der jüngeren Vergangenheit durch heftigste Showbikes auf, die im "World Custom Circus" ganz vorne mitspielen. Beide Parteien sind Vollprofis und wissen genau, wo der Hammer hängt. Insgesamt bloß zwanzig Stunden hatten die beiden Teams Zeit, aus einem unglaublichen Sammelsurium von Einzelteilen fahrbare Motorräder zu bauen.

Der Startschuss: Freitagmittag, 14.00 Uhr. Beide Teams waren gut gelaunt und alles lief am Schnürchen. Sonntags um 14.00 Uhr wurde es dann aber noch einmal sehr spannend, als es um die Wurst ging. Benzin wurde eingefüllt und die Batterien angeklemmt. Auch jetzt hätte einer von beiden noch in die Kacke greifen können, denn das Reglement besagt eindeutig, dass die Bikes anspringen und auf einer Achse zur Hauptbühne gefahren werden müssen. Doch beide Beauties sprangen an und deshalb viel die Entscheidung durch das Votum der Besucher.
(Quelle: Dream Machines, Text: H. Christmann)



"Biker-Build-Off" und
"Build a Billy" Photo-Galerien


   
Biker-Build-Off
Custombike 2008
  Build a Billy
Live-Music Hall
  Build a Billy
Studio Shooting



Build a Billy -
so entstand unser Winner-Bike


In Faak hatten wir etwas Zeit um uns über den zu bewältigenden BBO Gedanke zu machen. Wir wussten, dass das Publikum votet, also mussten wir den Zuschauern was bieten. Das hieß für uns, so viel wie möglich live auf der Bühne zu zeigen und etwas machen, was garantiert keiner von uns erwartet hat: Ein extremes Old School Bike! Es sollte richtig "old" sein, mit Flathead-Motor. An so was hat sich hierzulande noch kein Customizer rangetraut. Zu Hause haben wir die Flattie, die bei uns im Lager stand, entmottet, teilweise zerlegt und mit ein paar Bauteilen eine grobe Richtung festgelegt. Superschmal, Tank hoch, damit der Motor richtig zur Geltung kommt, schmaler T- oder Z-Lenker, hohe Räder, ein Chopper wie für einen Rockabilly eben. Die Marschrichtung für den BBO war damit klar definiert: Build a Billy!

Hinten sollte unbedingt der Firestone mit dem Zickzack-Profil Verwendung finden. Und als Felgen die Rundprofil-Betten, die an der aktuellen Softail Custom verbaut werden. Die sind zwar nicht Old School, sehen aber so aus. Da es diese Räder aber nur in 16- und 21-Zoll Durchmesser gibt, musste eine passende Hinterradfelge in 18-Zoll angefertigt werden. Die haben wir aus einem ziemlich dicken Klotz Aluminum CNC-gefräst. Dann wurde das Bike zerlegt und Rahmen und Gabel gesandstrahlt. Dadurch kamen Schandtaten der letzten 67 Jahre zum Vorschein. Eigentlich waren Rahmen und Gabel Kernschrott. Rost und unprofessionelle Unfallinstandsetzung hatten dem Rahmen erheblich zugesetzt. Also wurde der Rahmen in unsere Lehre gespannt und sämtliche Rohre zwischen den Gussteilen ausgetauscht und neu verlötet. Gleichzeitig haben wir den Rahmen im Sitzbereich schmaler ausgeführt und den Bereich über der Sattelstütze verkleidet.

Den Peanut-Tank haben wir seitlich aufgeschnitten und diese Schalen invers nach innen gedreht. Dadurch wurde der Tank noch schmaler. Der vormals seitlich außermittig sitzende Tankstutzen und die Benzinhahnanschlüsse wurden verschlossen und neue Anschlüsse, Tankstutzen und Tankdeckel angefertigt. Den Öltank haben wir komplett neu angefertigt, auch hier mit nach innen gewölbten Seitenteilen und - passen zum Rahmenverlauf - schräg geschnitten. Als wir danach das Bike zusammengesteckt haben, war uns die originale Springer-Gabel zu breit. Ich habe dann bei eBay eine DKW-Gabel ersteigert. Die war partiell aber zu schwach ausgeführt (gepresstes Blech), deshalb wurde nur die umlenktechnik übernommen, der Rest passend für das Projekt aus Rohr nachgefertigt. Jetzt stimmten die Proportionen!

Die Farbtöne waren schnell ausgesucht: Elfenbein mit Grau, kombiniert mit Nickel und Messing - alles matt! Dazu wurden alle Guss- und Alu-Teile (Motorgehäuse etc.) glasperlengesandstrahlt, alle Stahlteile wurden vernickelt. Jetzt ging's an den Motor, dessen innerer Zustand ähnlich erbärmlich war wie der des ursprünglichen Fahrwerks. Beide Kolben und Zylinder hatten starke Fressspuren, zwei Ventilführungen bewegten sich Zusammen mit den Ventilen hoch und runter. Bei den Kolben waren Übermaße noch zu bekommen, aber bei den Ventilführungen war nichts mehr zu retten. Das bedeutete: selbst welche anfertigen. In der Folge wurde alles erneuert oder überholt, was sich im Motor bewegt. Alle Lager wurden vermessen und eingestellt, die Kurbelwelle feingewuchtet, die Ölpumpe überholt, Führungen angefertigt, es wurde gehont, geläppt, Ventilsitze geschnitten, die Liste ist endlos.

Ingo Kruse trug die Grundfarbe auf, Armin Dobstetter von Custom Leathers bekam den Auftrag für einen punzierten Sitz. Er hatte völlig freie Hand. Wir haben den Sitz auch erst in Bad Salzuflen auf der Bühne zu sehen bekommen. Ein Kunstwerk! In der Zwischenzeit musste sich um das ganze Drumherum gekümmert weren: SU-Vergaser, Magneto, Stoffkabel, Hut- und Flügelmuttern, Totenköpfe, Kugel-Benzinhahn... Und bloß nix Verchromtes durfte her, und wenn doch, hieß es entchromen, glasstrahlen und neu vernickeln. Auf der Bühne haben wir dann zusätzlich zum gesamten Grundaufbau live das Getriebe zusammengebaut, die Räder eingespeicht, Reifen aufgezogen, Radlager ausdistanziert, die Ölleitungen aus Messingrohr gebogen und verlegt, Auspuff, Halter und Innenleben angepasst und verschweißt, Züge angefertigt und verlötet, die Kette vernietet. Und jede Menge Hülsen und Distanzen auf der Mini-Drehbank angefertigt. Und natürlich hat sich auch unser Lack-Man Ingo nicht bitten lassen, zu zeigen, was er so drauf hat. Er hat auf der Bühne live die Tankbemalung angefertigt.

Am Schluss ließ sich die Flattie dann ein wenig bitten, sprang dann aber nach einiger Gymnastik auf dem Kickerhebel doch an und knatterte durch die Hallen in Richtung Hauptbühne, wo sich dann herausstellen sollte, dass die Zuschauer uns auf Platz 1 gewählt hatten. Danke!
(Text: Andreas Bergerforth)


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