Special thanx to everyone who worked on our bike...
...auf diesem Weg möchte ich mich bei allen Bedanken die am Aufbau der „PainTTless“ beteiligt waren und wirklich alles gegeben haben um dieses Bike auf die Räder zu stellen - es war ein hartes Stück Arbeit, aber auch eine verdammt „geile“ Zeit. Danke ! (Andreas Bergerforth)






Thunderbike World Champion Bike PainTTless
Einblicke in ein Logbuch der besonderen Art (von Andreas Bergerforth)

Wie alles begann...
Als wir beschlossen haben ein Bike für den AMD World Championship Of Custombike Building in Sturgis zu bauen, war klar es muss das Beste werden, das wir jemals gebaut haben. Dabei ist der Name Programm: keine Farbe, kein Lack, kein Pulver, kein Spachtel, kein Zinn! Nur wer schon mal etwas zum verchromen gebracht hat weiß was gemeint ist. Die Vorarbeit muss absolut perfekt sein!

Zudem soll einfach alles an dem Bike außergewöhnlich sein. Kein Teil aus irgendeinem Regal oder Katalog. Wie die Pioniere des frühen Renngeschehens, du brauchst eine Lösung also (er)finde eine. Und so sind nach und nach auch alle Bauteile entstanden.

Old School Racer...
Ein echter Old School Racer sollte es werden, dass Thema hat uns schon beim King Kerosin Bike begeistert. Da kam eine gebrauchte Iron als Basis gerade recht. Zuerst haben wir dem Ironhead Motor einfach mal das Getriebe abgeschnitten und ein WLA-Getriebe dahinter gestellt. Die Zündanlage habe ich bei eBay gefunden, ein Bosch Magneto von 1928, cool ! Dieses Ding muss vor dem Motor thronen, so wie bei fast allen legendären Rennmaschinen.

Als nächstes haben wir aus den ersten Skizzen eine Blech-Silhouette abgeleitet, ein paar Räder dazugestellt und so die groben Proportionen des künftigen Racers festgelegt.

Der Blechschuh...
Danach ging es an den Rahmen, dem Blechschuh für Motor und Getriebe. Kombiniert mit dem Rohrüberzug bringt er den nötigen Racing Charakter in das Bike. Nachdem wir so gestartet sind, bietet sich auch für die Schwinge eine Kombi aus Flachstahl und Rohr an. Die ersten Löcher werden gebohrt!

Da wir unbedingt einen freistehenden Höcker wollten mussten wir eine andere Art der Schwingenumlenkung finden, seitlich unter dem Höcker angeordnete Stoßdämpfer passen da perfekt. Höcker und Tank wurden zuerst mit Sperrholz und Pappe in Form gebracht. Hierzu dienten die Blech-Silhouette und die ersten Skizzen als Orientierungshilfe.

Wir liegen im Zeitplan...
Parallel werden die, zuvor im 3D-Programm gezeichneten, Räder und Gabelbrücken aus Aluklötzen gefräst und die, anfangs als Papp-Dummy erstellte Tankform, in seine endgültige Form aus Kunststoff gefräst, ein Auspuffmodell wird gebogen und ein Prototyp der Rastenhalterung gebaut. Der erste Schwingen-Überzug aus Rohr musste einer gebohrten Flachstahlvariante weichen.

Sieht alles schon gut aus. Und das Beste, wir liegen im Zeitplan! Zeit eine Liste anzufertigen, mit all den Sachen die noch nicht fertig sind – und schon überkommt einen wieder „das schaffen wir niemals“ Gefühl!

Die Gabel – Volltreffer...
Die Gabel der etwas anderen Art, eine Kombi aus Springer und Telegabel mit zwei Federbeinen ist ein echtes Prachtstück und funktioniert sehr gut. Gekürzte Federn einer Streetbob-Gabel kombiniert mit zwei Fahrraddämpfern. Ungewöhnlich? Ja! Sauberes Ansprechverhalten? Ja! Passender Negativweg? Ja! Volltreffer !!!

Die Funktionen...
Jetzt, nachdem Fahrwerk und Motor grob stehen geht’s an die Funktionen: Bremsen, Kuppeln, Schalten, Choke, Zündversteller, Gas, Rasten, Hebel, Umlenkungen, Gestänge, Züge, und und und - eben alle Bedienungselemente. 

Apropos Zündung: Der Weg dahin war sehr steinig. Die Lima weg, den Zünder hin. Hört sich einfach an? Ja, aber - die Übersetzung passt natürlich nicht. Die Zündung muss 1:1 mit der Kurbelwelle drehen, was bedeutet - passende Ritzel müssen angefertigt und die Lagersitze neu angeordnet werden. Bei der Gelegenheit muss man gleich noch einen neuen Nockenwellendeckel fräsen, denn der Alte passt auch nicht mehr. Ach ja, eine drehend gelagerte Befestigung braucht der Magneto noch, damit man ihn nachher auch einstellen kann. Ein Kinderspiel?!

Der Ölkühleröltankhöcker...
Eines meiner Lieblingsteile ist der Höcker, Ölkühler und Öltank - alles zusammen in einem Teil. Aus einem Aluklotz gefräst, übersäht mit Kühlrippen, Ölschauglas an der Seite, Einfüllstutzen oben und eingelassenen Ölleitungen - total verschärft !

Blecharbeiten. Oberflächen: Paintless...
Der Höcker bekommt sein Blechkleid. Als nächstes geht’s mit dem Tank los. Ein Bauteil der schwierigen Art - vor allem weil nachher alles “paintless“ sein soll. Um dies zu erreichen muss die Oberfläche absolut clean sein, ohne die kleinste Delle. Dazu dient als Formklotz der 3D-gefräste Kunststofftank. Stunden vorsichtigen Hämmerns und Schweißens vergehen. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen!

Blecharbeiten. Das Meisterstück...
Das schwierigste an diesem Projekt ist aber die Verkleidung. Das gleiche Spiel wie mit dem Tank nur noch viiieeeel aufwendiger. Erst ein Kunststoffmodell fräsen, dann das vormals plano Stück Blech kunstvoll, knitterfrei drum herum klopfen. Mit einem Lufthammer wird das Blech an den Rundungen extrem gestreckt und so Millimeterweise in Form gebracht. Um die aufwendige Form erreichen zu können, muss das Blech eingeschnitten werden, wieder sauber verschweißt und so weiter. Abschließend noch einen Abzug aus Kohlefaser, um den genauen Ausschnitt für die Gabel festzulegen.

Der Motor...
Wenn schon einen Bosch Magneto, dann auch Amal Vergaser und zwar ZWEI - das muss doch möglich sein?! Möglich ja, aber nicht ganz einfach. Man nimmt einen zweiten hinteren Zylinderkopf dreht ihn um 180° und verbaut ihn vorne. Hört sich einfach an. Doch die Nebenwirkungen sind dabei nicht ganz ohne. Neue Ölbohrungen müssen in den Zylinder gesetzt werden, Stößelführungen neu fräsen, Rockerboxen umarbeiten. Bei der Gelegenheit können auch gleich die unteren Kühlrippen abgedreht und die Rockerboxen geteilt werden - bringt echten Old School Look.
Für die Primärseite gibt es dann auch einen neuen Deckel, mit einstellbarem Kettenspanner, ein neues Ritzel für die Kurbelwelle mit Sportyschaft und WLA Duplex-Kettenteilung. Ach ja, schicke neue Stößelrohre und außenliegende Messingleitungen für die Kipphebelschmierung und gerippte Ansaugstutzen gibt’s natürlich auch.

Die Bremsen...
Riesige belüftete Bremstrommeln, die Innen aber Bremsscheiben haben, sind genau das richtige für die „PainTTless“. Die Bremsscheiben und Sättel dazu gab es bei eBay – Honda-Teile aus den 80er Jahren. Die “Trommeln“ mit den passenden Kühlrippen haben wir ebenfalls aus einen Aluklotz, passend zu unseren Rädern, gefräst.

8 Monate – es ist unglaublich...
Es sind die vielen technischen Lösungen die dieses Bike ausmachen. Jetzt, wo die ersten Sachen vom Vernickeln (www.a-kruse.com), Eloxieren (www.fot.de), Gleitschleifen (www.bewico.de) Lackieren (www.Kruse-Design.de) und Polstern (www.warmsbach.de) zurück sind, sieht man erst den gesamten Umfang der Teile die wir in den letzten 8 Monaten für dieses einzigartige Bike gebaut haben. Es ist unglaublich !!!

Allein die Ansteuerung der Vergaser, die Kulissen für Schaltung, Luftkolben und Zündung, die Kupplungsbetätigung, der Ausschalter...!!, der Drehzahlmesser (www.Motogadget.com), der Verkleidungshalter kombiniert mit dem Lenkungsdämpfer, die Bremsumlenkung vorn und hinten, die Bremsankerstreben, die Lufteinlässe am Höcker...!! der Diffuser, die Verlegung vom Gaszug, der Bremshebel, Kupplungshebel, die Bremsankerstreben, die Stößelstangen, die verstellbaren Rasten, Kupplungs- und Bremspedal, die Kupplungsabdeckung, der Primär-Kettenspanner, der Auspuff...!!!
 
Die PainTTless macht ihrem Namen alle Ehre, mit ihrer extrem schmalen Silhouette, cleanen und veredelten Oberflächen, den unzähligen optischen und technischen Finessen - und, auch ein klein wenig Lack !

Wir konnten es kaum erwarten das Bike fertig zu sehen !



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