Ausgabe #03/19

Ausgabe #02/19

Von Holländern und Schweden

Glück auf, liebe Harleyfreunde! Nicht selten im Leben kommt es zu der Art lustigen Momenten, die sich erst später als lustiger Moment entpuppen. Wenn ich mir abends bei ner Kanne Bier den zu Ende gehenden Tag nochmal durch die Rübe gehen lasse, fallen mir die Feinheiten zwischenmenschlicher Interaktionen ein und auf, für die man echt Antennen braucht. Beim fachsimpeln mit Menschen über Motorräder, wie wir sie lieben, ergeben sich oft derart abstrakte Satzkonstellationen, dass Germanisten und Deutschlehrer sich die Haare raufen würden. Aussagen wie: „Ich hab mich n Epi Häinscher für meine Hetirätsch Softell geholt, weil dat gut bei meine Fender passt. oder: „An meine Karre is der Manifut undicht, da muss ich nochma bei.“ kitzeln bei genauerem Nachdenken über Inhalt, Sinn und Unsinn doch schon stark mein Komikzentrum. Immer mehr Leute füllen ihre Aussagen mit englischen Wörtern, deren Bedeutung und Lautsprache sie zum nicht geringen Teil ganich kennen. Dies tun manche sogar mit deutschen Wörtern. Der Starrahmen wird dann schnell zum Stahlrahmen. Wobei grade hier klar sein muss, warum der so heißt.

Ebenso sind Rückreifen und Außenspiegel einfach falsch, obwohl jeder weiß, was gemeint ist, sind sie aber immer für n Schmunzler gut. Naja, und jemand der so ganix mit Moppeds zu tun hat und uns labern hört, würde uns vermutlich nen Logopäden empfehlen. Englische Fachbegriffe in Verbindung mit grammatisch fragwürdigem Ruhrgebietsslang ergeben eine Sprache, die wohl nur hier bei uns am Niederrhein gesprochen, oder besser gesagt genuschelt wird. Einer sagte neulich, wir labern wie ne Mischung aus besoffen sein und Schlaganfall. Die Farbe der Sprache und des Dialekts is in Bayern, Schwaben und im Osten ebenfalls sehr charakteristisch, aber hier bei uns irgendwie extrageil. Vielleicht kommt dat durch den niederländischen Einschlag, denn Oranje is ja gleich nebenan und nicht wenige von ihnen verirren sich nicht selten zu uns. Dann bekommt die Konversation noch eine orange Färbung dazu. Spricht der Holländer über „zijn Versnellingsbak, Remmen, Kleppen en zijn Knipperlicht“, so meint er sein Getriebe, seine Bremsen, seine Ventile und seine Blinker. 

Aber weisse wer oder was die Mutter aller Fachbegriffe bei allen Kuhlsprechern und der Klassiker fürs Scheiße labern is? Die Rockerboxen! Ein zusammengesetztes eingedeutschtes Hauptwort aus den englischen Wörtern für Hebel (Rocker) und Gehäuse (Box). Die Rockerbox heißt Rockerbox, weil in ihr die Kipphebel eingebaut sind, welche die Ventile betätigen. Richtig und auf Deutsch heißen die Dinger Kipphebelgehäuse. Bei den Käseköppen heißen sie schlussfolgernd „de Kleppendeksel“. Rockerboxen sind demnach also weder die Lautsprecher im Clubhaus, noch eine Schlägerei vorm Clubhaus. Auch sind sie kein Biker-Utility-Schächtelchen. Im Übrigen müsste es Rockerboxes heißen. Rockerboxen is also nich nur albern, sondern auch noch falsch obendrein. Bei den V-Rods iset wieder anders. Da heißt es einfach nur Ventildeckel, weil die obenliegenden Nockenwellen ohne Kipphebel auskommen. Auch lustig is die Bezeichnung der hinteren Riemenscheibe. Am Hinterrad befestigt zerrt der Antriebsriemen an der Riemenscheibe, die im Teilekatalog „Pulley“ heißt. Landläufig wird dieses Pulley dann Pulli genannt, aber Pullis gibt’s bei H&M und Pulleys wiederum bei uns. 

Nicht immer lässt sich durch den eingedeutschten englischen Begriff herleiten über was gerade gesprochen wird. Insbesondere bei den einzelnen Bike-Kategorien wissen viele oft nich, was Sache is. Der Bobber heißt Bobber, kennt man ja. Die deutsche Übersetzung hierzu ist dümpeln bzw. baumeln. Die Übersetzung selbst weckt in mir reichlich Blödsinn, den ich nun schreiben könnte, aber wir müssen schon ernst bei der Sache bleiben. Es is davon auszugehen, dass die meisten Biker wissen, dass es sich bei einem Bobber um ein Bike mit 2 gleich großen Rädern handelt. Dies muss also nich näher erörtert werden. Anders schon beim „Chopper“, abgeleitet vom englischen „to chop“; (abhacken, zerhacken) Seinen Ursprung hat der Chopper in der Zeit, als unsere Großväter konsequent alles von ihrer Karre abgeschraubt haben, was man zum fahren nich brauchte. Das waren Chopper. Nichts von dem was Japan in den letzten 40 Jahren als Choppermotorrad verkauft hat, verdiente also den Namen Chopper.

Peter Honda-Fonda und Dennis Chopper-Hopper etablierten Ende der 1960er Jahre eine Idee für einen Lifestyle, der bis dahin nur ganz wenigen Leuten vorbehalten war. Mit Easy Rider brannten sie eine Kulturrevolte in unsere Gehirne, die bis heute ihre (Aus)Wirkungen zeigt. Alles, was danach kam hatte dort seinen Ursprung. Ich, der apokalyptische Evoluzzer fuhr seinerzeit noch Dreirad und es sollte noch bis zur Einschulung dauern, bis ich die Lunte roch und mich mit dem Harley-Virus ansteckte. Bis heute hab ich mich davon nich erholt, mit der Konsequenz, dass ich heute Orange blute und Schwarz scheiße.

Die gesamte Szene is aufregend und geil, viele coole Karren in bunt oder dunkelbunt. Einige sind sogar zum Lachen, aber jeder soll sich verwirklichen wie er mag und rumfahren wie es ihm beliebt.  Eine leider aussterbende Art an Bikes sind die Schwedenchopper. So n echter Schwede is n Kracher und n Hingucker. Kilometerlange Gabeln nötigen die Eigner bei Stoppschildern abzusteigen und zur Haltelinie zu laufen, zum Zugucken, ob frei is. Schweden waren vor 20 Jahren recht verbreitet, bedauerlicherweise sieht man sie kaum noch. Ich selbst kenne nur einen, der einen hat und den auch fährt. Nämlich der Blasi aus dem Breisgau. Eine abartig lange Gabel, shovelgetriebener Starrahmen, 4 Gang Kicker und hinten n Autoreifen mit wenig Luft lassen das fahren zum Abenteuer werden. Ich vermiss die Schweden, es sollte viel mehr davon geben. Blasi fährt oft und viel mit dem Apparat. Nein, brauchst garnich lachen. Blasi is stockhete und sein Spitzname hat seine Wurzeln nicht nahe seiner sexuellen Orientierung. Selbst wenn, wärs völlig okay. Apropos Namen, wusstest Du, warum der Sozius Sozius heißt? Nämlich, weil der erste Mensch, der je auf einem Motorrad hinten drauf mit gefahren is, hieß Sozius mit Nachnamen. Deshalb. Siehste Mal, wat mir bei nur einer Kanne Bier alles im Kopp herum spukt. So, hier is ersma Schluß für heute, ich hab noch Flurwoche. Allen eine tollen Frühlingsanfang!

 

In diesem Sinne

Ride On!

 

Euer Evoluzzer

 

14.02.2019

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