Ausgabe #08/19

Ausgabe #07/19

Wer is der kuhlste im Land?

Glück auf, liebe Harleyfreunde! Man kannet nich anders sagen, wir sind mitten inne Saison! Karren über Karren knattern, jaulen und poltern durch die niederrheinische Tiefebene wie eh und je, und bei uns aufm Hof wird gelabert, angegeben und geparkt wie´s grad so kommt. Durch die günstige Position meines Arbeitsplatzes hab´ ich den Komplettüberblick über das ganze bunte Treiben und wenn ich das Fenster auf hab sogar mit Ton. Seit 106 Jahren ist es der bassige Bums miwaukeenischer Öfen, der Leidenschaft und Hingabe wecken kann. Einige stecken sich so schlimm an, die scheissen schwarz und bluten orange. Manchmal beflügelt es, manchmal nervt es und ganz manchmal….aber nur ganz…fällt auf, das die kraftradbezogene Selbstwahrnehmung des einen oder anderen getrübt zu sein scheint. Ollen, da fahren Karren in Deutschland, die klingen so kariert, da is sogar leise schöner. 

Nun mag (man/sie/unentschlossen) sich zurück lehnen mit dem Bewusstsein amtliche Tüten unter dem Hobel geschraubt zu haben. Diesen ist auf den Weg zu geben, das ein auf dem Top Case oder an der Sissy Bar (engl. für: Heulsusenhalter) befestigtes Plüschtier den coolen Auspuff wieder nullt. Da reißt auch die Sonnenbrille oder Blue-Oyster-Bar Kappe des milbengetränkten Sack Styropor nichts mehr raus. Da frag ich mich, womit kuscheln die beim einschlafen? 

Hmmm….vielleicht wurde was verwechselt und die schmusen mit nem eingerollten Schlafsack oder nem eingepackten Zelt…. Vielleicht.

Es gibt viele motorradlastige Tummelpunkte, manche nur ganz kurz, wenige manche schon immer. Der Kaiserberg in Duisburg zum Beispiel war eh und je DER Anlaufpunkt für Motorräder aller Coleur schlechthin. „Spinnerhügel“ haben wir den schon immer genannt. Seit Ewigkeiten gibt’s da schon ne starke GoldWin-Fraktion, die ihre Kisten nich so parken wies grad auskommt. Nein, die wurden morgens mit so ner roten Lotschnur vom Bau parallel nebeneinander gestellt. Die in GoldWing Farbe lackierten Thermoskannen standen auf den Trittbrettern, man trank heißen Kaffee, laberte mit den anderen „Wings“ und aß Leberwurstbrote die man mit der Papiertüte festhielt in der sie steckten. Nicht dat nachher Schnittlauch an der Wing klebt! Oder Fettfinger aufm Tacho, weil die beim losfahren den Tageskilometerzähler nullen.

Weekendwarriors behängen sich mit Fransen verschiedenster Längen und fühlen dabei den Spirit of Freedom and Adventure…Marlboro-Men on Wheels eben… Gern wird auch die Wing, bzw. alles was Chrom und zwei Räder hat mit Fransen ausstaffiert. Lenker, Griffe, Hebel…. Polo Louis & Co liefern alles, was man dazu braucht. Wild zuppelnde Fransen am Bike sind übrigens nur dann cool, wenn sie ab Werk dran waren. Die Mutter aller Fransenhobel dürfe die FLSTS sein. Olle, die hatte sogar Fransen anne Trittbretter. Inne Kurve haben die Bömmels den Asphalt gebürstet. Das erste Mal gesehen hab´ ich das im eigenen Rückspiegel. Seinerzeit hab´ ich so n Lachflash gehabt, ich wär fast vom Hobel gekippt. Sieht man sowas dann heute wo stehen, stupst man sich an: „Öy, kumma da! Strassenkehrmaschinenevo!“ Fast ehrfürchtig bleibt man stehen und beguckt den Hocker. Nein, nicht weil die Fransen geil aussehen oder vielleicht machen. Man erstarrt förmlich mit Respekt vor der Erkenntnis, dass wirklich jemand 20 Jahre mit dem Bommel-Bomber rumgefahren ist. Wenn man lange genug staunt schleicht auch bald der Eigner des Fransen-Fliegers an und erklärt freundlich was das ist, was dasteht und er sich das Bike 99 zum 50ten geschenkt hat. Wenn er dann noch Fransen an Joppe und Beinkleid hat, dann ist er authentisch, weil er das eben geil findet und das sei ihm gegönnt. Respekt sei mit ihm. Aber das hat natürlich Grenzen, so ne Mokassin Slipper mit Bömmels oben drauf bringen die Oldschool Aura rasch zum verpuffen. Gilt im Übrigen auch für richtige Rocker.

Weiter sieht man häufig Neogesetzlose, die sich das komplette „Make-yourself-an-asshole-Kit“ bei Louis oder Polo geordert haben, bestehend aus ner Jeansweste mit unsinnigen, nichtssagenden Aufnähern. Noch besser sind die „Sons-of-Anarchy“ Westen, diese werden aber so langsam wieder weniger. Zum Glück! Wie peinlich, sich mit so nem Fernsehseriennachmachkittel blicken zu lassen. Warum tun Menschen das? Da beeindruckt man höchsten die Chicks an der Lidl-Kasse mit….nicht aber jemanden, der so halbwegs ein wenig Einblick in die Kulturstruktur der Patchholder hat. Dann auch noch so zu laufen, als hätte man Chipskrümel in den Schamhaaren hilft auch nix mehr. Fransenlederchaps ohne was drunter…ja, das macht Eindruck und lässt Spielraum für ganz eigene Interpretationen. 

Was mir auch immer wieder auf-, aber nix zu einfällt ist der Umstand, das Rennerfahrer beim anfahren an der Ampel immer den rechten Fuß eine handbreit über dem Boden lassen und ihn erst nach etwa 400 m auf die Raste stellen. Dies beschäftigt mich schon einige Jahre. Viele hab ich gefragt, niemand hatte eine Antwort auf: Warum tun die das? Welchen Sinn hat es? Die, die es tun und ich persönlich gefragt habe, haben die Frage nicht verstanden. Vermutlich nehme ich die Frage irgendwann unbeantwortet mit ins Grab.

Naja, auf alle Fälle is immer wieder zu beobachten das Manche so kuhl sind, dass es hinter ihnen schneit. Viele übertrumpfen sich gegenseitig und das wiederum erscheint manchmal schon unfreiwillig lächerlich bis grotesk.

Bei einer vollumfänglichen Sachverhaltswürdigung zu der Frage: „Wer is der kuhlste?“ komme ich zu dem Schluss, dass es nur eine Antwort darauf geben kann. Ich bin es. 

Nix für ungut an alle, Racer, Fringe-Lovers, Chromosexuelle, Biker, Rocker und Wing-Leader…. Lästern gehört dazu. Machen ja auch fast alle und über sich selbst lachen hat noch niemandem geschadet. Open your mind! 

So liebe Lü, für heute muss ich Schluß machen, ich hab noch Flurwoche. 

Ride On!

 

Euer Evoluzzer

 

14.07.2019

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