Amerikanisches Eisen für deutsche Berufsschule

Ausgabe #11/18

Evoluzzer Blog

Quo vadis, Status quo?

Glück auf, liebe Harleyfreunde! Nu iset endlich raus und safe! Die Harley-Davidson LiveWire kommt! Und das schon im nächsten Sommer! Fakt is, dieses Bike wird polarisieren und ambivalentieren. Dies tat sie bereits, als sie vor 3 Jahren das erste Mal durch die Medien geisterte. Letztlich mag sich jeder sein eigenes Bild davon machen und reflektieren ob und inwieweit dieses Konzept mit der eigenen Bikerphilosophie in Einklang zu bringen ist. Nach meinem Dafürhalten iset aber schon n ganz schöner Eiertanz mit diesen Elektroantrieben. Ich lehne das grundsätzlich nich ab, bin aber der Meinung, das is nur was für Leute, die am Tag nich mehr als 50 km fahren müssen oder die in Großstädten und Ballungszentren wohnen. Dort aber in erster Linie wegen der Emissionen und Schadstoffe. Ollen, fahr mal an nem ganz normalen Mittwoch im Sommer über die A40 von Duisburg nach Dortmund. Der gut sichtbare Dunst überm Pott würde sich in Wohlgefallen auflösen, würden alle Fahrzeuge elektrisch betrieben. So´n elektrisches Gerät, egal ob Auto oder Krad, is schon ne gute Idee. Vor allem um sein grünes Gewissen zu beruhigen. Jedenfalls für den Moment.

Unstreitig is, dass der Punch eines Elektromotors schon überwältigend is. Unstreitig is auch, dass der Ausstoß gefährlicher Stickoxide und Kohlenwasserstoffe pro gefahrenen Kilometer auf Null sinkt. Nixdestotrotz is das ne Milchmädchenrechnung. Denn die elektrische Energie muss nun mal produziert werden. Stellt man sich nun vor, alle Welt führe elektrisch, wird zum einen die Elektrizität affenteuer und zum anderen is der Ausstoß an Schadstoffen, der dabei entsteht, die benötigte Energie zu produzieren sehr bedenklich. Das Problem der Omnimobilität wird dabei also nur verlagert. Der Planet bleibt aber derselbe. Ob der Dunst im Pott nun von meinem alten V8 stammt oder von einem Kohlekraftwerk, das Strom produziert, damit ich meinen „Chevrolet Sumselbee“ elektrisch fahren kann, is im Grunde völlig Wurscht. Das Ei des Kolumbus hierbei könnten Solarzellen auf den Fahrzeugen sein. Nur, was passiert wenns dunkel wird und wie kriegt man Solarplatten an amtlichen Rockerhockern montiert? Liest man da mal n bißchen quer durch Netz und Printmedien, so wird schnell klar, dass dies alles ziemlich unausgegorene Geschichten sind. Klaro, das alles steckt noch in den Kinderschuhen und es wird noch sehr sehr lange dauern, bis das ordentlich klappt. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass der Elektroantrieb nicht der Antrieb ist, mit dem sich die Menschheit in 50-100 Jahren fortbewegen wird.
Davon ma ganz weg iset kein Geheimnis, dass Elektrokram vorrangig die Bequemlichkeit und Faulheit der Menschen unterstützen soll. Zum Beispiel Mixer, Schuhputzmaschine, Vibrator und Anlasser wurden erfunden, um denen das Leben erleichtern, die zu faul sind zum mixen, wichsen, ficken und kicken. Schluss und letztendlich macht es das Leben aber nicht leichter, man schafft nur mehr innerhalb der 24 Stunden, die ein Tag auf eurem schönen Planeten hat.

Noch ein Beispiel, in dem Elektrizität eine Rolle spielt, was aber vor 25 Jahren noch kein Thema war sind elektrisch verstellbare Auspuffanlagen. In den 80ern fantasierten wir betrunken darüber, wie man Schalldämpfer, die den Namen nich verdienen, manuell laut und leise machen könnte. Inzwischen haben sich auch andere betrunken und bedienen seit geraumer Zeit den Markt der Schwimmbux-Rocker und Weekendwarriors mit Schalldämpfern, die man sogar auf Knopfdruck elektrisch laut und leise machen kann. Die Buddies von Jacqueline & Heidi, Stressdreck und wie sie alle heißen beglücken Neogesetzlose mit elektrisch verstellbaren Auspuffanlagen. Vorm Eiscafé sind se damit King Kotelett und für die Nachbarn und die Bullen leuchtet der Heiligenschein über deren Nolan Policehelm. King for a day, fool for lifetime.
Für mich sind dies Schafe in Wolfspelzen, die aufgrund des Punktestandes in Flensburg und/oder der Angst davor, bei diesem den Hi-Score zu knacken auf solche Kamine für ihre Hocker zurückgreifen. An deren Karren is in der Regel tatsächlich alles eingetragen. Da trägt sogar der Teddy am Tour Pak ne Schutzbrille. Safety first eben. Aber vielleicht bin ich ja auch nur neidisch. Meine apokalyptische Geezer Glide hat nämlich noch n mechanischen Tacho. Da gibt’s kein elektronisches Tachosignal welches weichgespülte Dämpferanlagen öffnet und schließt. Ja, vielleicht bin ich neidisch…aber ich denke eher nich. Bei meinem Hocker bringen Franz & Heinz Monster Ovals Blumenkübel zum Wandern und lösen unter Last Alarmanlagen an Autos aus.

Hoppla, nu hab ich mich n bisken verquasselt. Was ich sagen will is, so n Elektrofahrzeug is wie mit Gummi aber ohne poppen. Man hat dauernd das Gefühl, et fehlt was. Ob sich ein Markt für elektrische Motorräder generieren lässt, wird sich zeigen. Denn eines dürfte klar sein, ein Elektromotor wird nie das Flair einer luftgekühlten einhubzapfigen Schüttelwalze aus dem letzten Jahrtausend haben. Typen mit vom Kontakte einstellen durchgescheuerten Knien an der verölten Jeans werden die LiveWire keines Blickes würdigen. Aber ganz sicher wird’s Urban Cowboys geben, die auf das Bike anspringen und es haben wollen. Dass es ein Fahrerlebnis sein wird die LiveWire zu reiten, steht völlig außer Zweifel. Und zeitgemäß is sie sowieso. Also, quo vadis, status quo? Oder für mich als Hauptschüler: Wo führt die gegenwärtige Situation hin? Ich bin sehr neugierig, auf das was da kommt! Aber trotzdem hab ichs lieber mechanisch.

Ride on

Euer Evoluzzer

 

13.11.2018