Ausgabe #06/19

Von Bäckern und Waschstrassen

Glück auf, liebe Harleyfreunde! Ich schätzma, jeder kennt sicher diese Rabatt/Punktesystem Karten diverser Firmen zur Kundenbindung in der Tasche. Weißte was mir neulich damit passiert is? Lies: Neulich war ich auf dem Weg zur Stätte meines Wirkens. Ich fahr dann gern zum freilaufenden Bäcker, um mich mit einheimischem Backwerk zu versorgen. Um Stammkunden zu belohnen, gibts dort beim Brotkauf so ne Rabattkarte auf denen 18 Felder abgebildet sind. In jedem dieser Felder steht: „1/2 Brot“. Die Karte wird bei Abnahme eines halben Brotes einmal und bei nem ganzen Brot zweimal gestempelt. Und nach 18 halben bzw. 9 ganzen Broten gibt’s ein ganzes Brot bzw. zwei Halbe für umme. Soweit klar, ne? Nur Klimpergeld in der Tasche, kamen mir diese Karten grade Recht. In den unendlichen Weiten meines schwarzen Schlittens fand ich derer zwei. Eine davon hatte 13 halbe Brote gestempelt, die andere 3. Sind nach Adam Riese 16 halbe Brote. 

 2 Oiro hatt ich noch, das langt für n Pfund Schwatzbrot, was ich dann auch gleich kaufte. Macht somit zwei Stempel zu den 16 die ich schon hab und ich bekomm dann mein Lieblingsbrot für lau. So der Plan.

Artig steh ich an der Theke und warte bis ich dran bin. Die mir zugeteilte Bäckereifachverkäuferin ist von kleiner Statur, ohne Balkon aber mit Doppelgarage. Mein Schwatzbrot hab ich bereits, so brauch ich nur noch bezahlen, meine Karte stempeln und das Extra Brot geben lassen. 

„Tja, nö…“ sacht die da. 

Ich frage sie erstaunt: „Wat heißt Tjanö??“ 

„Ja, also…äh…die Stempel müssen alle auf einer Karte sein.“ 

„Hä, dat is doch egal…18 Halbe sind 18 Halbe…“

„Nee, die müssen alle auf einer Karte sein. Wie gesacht….“

„Hab ich schon gehört, aber verstehen tu ichs nich..“

„Was gibt’s n da nich zu verstehen?“ fragt die mich. Bitte? Wat hat die mich grade gefragt? 

Stille….            

„Hörnsema….“, räume ich ein. „Ich schätzma, ich hatte meine Karte mal nich dabei und hab dann wohl ne neue bekommen. Nu hab ich meine alte Karte wiedergefunden und würde sie gern beide einlösen. Die gehören mir, die sind weder geklaut noch in sonst irgendeiner sittenwidrigen Art und Weise ergaunert worden. Außerdem stehts nich drauf, dass nicht mehr als eine Karte abgegeben werden kann.“

Die Dame läßt sich die Karten geben. Kaum in der Hand entschwindet sie mit meinen 18 Halbesbrotstempeln um die nächstschlauere Bäckereifachverkäuferin um Rat zu bitten. Iiiiiirgendwann kehrt dann das durch die Expedition bestäubte Mehlmädel zurück, und teilt mit, dass man dieses Mal eine Ausnahme machen würde und ich bekäme mein Brot. Mit so wenig Gegenwehr hab ich nich gerechnet. Aber ich bin ja ehrlich, ich finds gut das sowas angeboten wird.  Am Ende stempelt Sie mir noch das eben für umme erhaltene Brot auf die Karte, auf der bereits 3 halbe Brote gestempelt wurden und gibt sie mir zurück.

Diese Karten kennt man auch Autowaschstrassen, zu der ich einige Tage später fahre. Ich stehe gewappnet mit ebenfalls 2 Rabattmarken in der Einflugschneise der Autowaschstrasse meines Vertrauens. Auf Aufforderung durch das Autowaschfachpflegepersonal rücke ich artig nach, als das Auto  vor mir per Schleppkette in die Bürstenmangel gezogen wird und stehe in der Halle. Nach und nach stehen natürlich weitere Kunden an, die ihr bestes Stück gern gerubbelt hätten…..

Am Obervorwäscher und Kassierer angekommen grüßt man sich freundlich, schließlich kennt man sich ja. Ich halte dem Bengel meine beiden Rabattkarten hin, auf denen insgesamt 10 Wäschen abgestempelt sind. Hier bahnt sich ein ähnliches Desaster an, wie das beim Bäcker. Mr. Wash besteht darauf, dass alle Stempel auf einer Karte sein müssen. Die seien fahrzeugbezogen. Geprägt vom Brotkauf bin ich gewappnet, so nahm unser Gespräch an Fahrt zu sprühen, derweil fleißige Helfer meinen Schlitten mit allerlei chemischen Zeugs einsprühen. Verschiedene Arten von Schaum bilden sich im Frontbereich des Wagens, um Spiegel und Scheibe herum, an meinen Radkappen im 8 Speichen Design.

Ich sage Mr. Wash, das es doch völlig irrelevant sei, welche Autos ich gewaschen habe um die Stempel zu bekommen und das ihn doch eigentlich nur die 10 Stempel verteilt auf 2 Karten zu jucken hätten. Das sah der Typ natürlich völlig anders.

„Mein Guter, dann müsst ihr die Kennzeichen auf die Karten schreiben, wenn das Fahrzeug bezogen ist.“ kontere ich.

Souverän, freundlich und gut geschult in Sachen Deeskalation sagt er nur: „Das is mir scheißegal, die Stempel müssen auf einer Karte sein. Ende der Durchsage und 13 Euro Neunzig bitte.“

Oha, denke ich. Nu wird’s ernst. „Ich hab keine Kohle bei. Deshalb hab ich ja die Karten mitgebracht.“ argumentiere ich ihn in Grund und Boden. Ich hab ihn matt gesetzt, nun muss er die Karten akzeptieren. Der immer größer werdende Schaum auf meiner Karre blubbert gemütlich vor sich hin und hinter mir hat sich eine beachtliche Schlange an Rubbelwilligen gebildet. Der Typ aber lässt mich nich rein ohne bezahlen. Nun kann ich schlecht meine Kohle zücken und bezahlen, da ich ja bereits sagte ich habe kein Geld dabei. Klaro. Es kommt also dazu, das ich dem Typ sage, das mir auf einmal die Lust vergangen ist zum Auto waschen und soooo dreckig meine Karre ja nun doch nich is. 

„Wat heißt dat?“ fracht der mich.

„Na, dat wat ich sage. Ich kann hier nur vorwärts durch die Anlage, aber das kann ich nich bezahlen. Also, kann ich nur rückwärts.“ grinse ich ihn an.

„Da steht alles voll mit Autos!“ ruft der Typ.

„Ich weiß.“  

Mr Wash wirkt unruhig. Die Waschstrasse vor mir steht still und hinter mir iset voll mit Autos. Mittendrin steh ich mit meinem Schaumschlitten und tu so, als könne ich nich bezahlen, weil ich der Meinung bin ich könne für lau waschen. Der Typ entfleucht in einem Kabuff und Sekunden später fleucht er wieder hinaus. Einen Wischmopp für Lkw in der Hand baut Ritter Wash sich vor meiner inzwischen beträchtlichen Schaumburg auf. Seinen Bürstenspeer hält er kerzengrade und richtet mit fester Stimme das Wort an mich. „Sie bleiben dabei?“ Ich kann ja nich anders, da läuft er gradewegs zum Auto hinter mir. Ich sehe sie im Außenspiegel quatschen. Mit einem Mal höre ich, dass der Wagen hinter mir springt. Der tapfere Ritter macht sich auf, den nächsten Fahrer anzusprechen und nach und nach fahren die Kisten hinter mir langsam rückwärts. Scheiße, wie peinlich is das denn? Kacke, ich war mir soo sicher, der lässt mich waschen. Man kennt sich ja. 

Mir steht also ein Spießrutenlauf des 21. Jahrhunderts bevor. Ich zwänge mich demzufolge rückwärts an den rangierenden Schlitten vorbei und kann mir ne Menge anhören. Zügig mache ich mich vom Hof, wie ein Komet mit apokalyptischem Schaumschweif. Da fahr ich natürlich erstmal nich mehr hin. Gelernt hab ich daraus, dass Starrsinnigkeit auch peinlich sein kann.

Nur Tote und Narren ändern ihre Meinung niemals. – James Russel Lowell

Einen geilen Sommer für alle!

 

Euer Evoluzzer

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